Das Lasermarkieren von Glas zählt zu den technisch anspruchsvollsten Anwendungen der industriellen Laserkennzeichnung. Glas reagiert sensibel auf thermische Belastung, neigt zu Mikrorissen und erlaubt nur sehr begrenzte Prozessfenster, wenn reproduzierbare und optisch hochwertige Ergebnisse gefordert sind.
UV-Laser haben sich für diese Aufgabe als besonders geeignet etabliert, da sie Glas mit extrem geringer Wärmeeinbringung und sehr hoher Detailauflösung markieren können.
Glas unterscheidet sich grundlegend von Metallen oder Kunststoffen:
Konventionelle Infrarot-Laser (z. B. Faser- oder CO₂-Laser) übertragen ihre Energie überwiegend thermisch. Bei Glas führt das häufig zu:
Für viele Anwendungen – insbesondere in der Medizintechnik, Elektronik oder Optik – sind diese Effekte nicht akzeptabel.
Der zentrale Unterschied eines UV-Lasers liegt in der deutlich kürzeren Wellenlänge (typisch 355 nm). Dadurch verändert sich die Wechselwirkung zwischen Laserstrahlung und Glas grundlegend.
Beim Lasermarkieren von Glas mit UV-Laser wirkt nicht primär ein thermischer, sondern ein photochemischer und photoablativer Prozess.
Die wichtigsten physikalischen Effekte:
In der Praxis bedeutet das:
Im Gegensatz zu klassischen Gravurprozessen wird Glas beim UV-Laser nicht „aufgeschmolzen“.
Stattdessen entstehen die Markierungen durch:
Der sichtbare Kontrast entsteht nicht durch Verfärbung, sondern durch die veränderte Lichtreflexion und Lichtstreuung. Dieses Verfahren ist besonders geeignet für:
Kalk-Natronglas (Floatglas)
Borosilikatglas
Quarzglas
beschichtete Gläser
Medizintechnik
Elektronik und Halbleitertechnik
Optik und Photonik
Industrie und Sondermaschinenbau
Vorteile des UV-Lasers gegenüber anderen Lasersystemen bei Glas
Beim Vergleich des Lasermarkierens von Glas mit einem UV Laser gegenüber IR-Systemen zeigen sich in der Praxis vor allem folgende Unterschiede:
Sehr geringe Wärmeeinflusszone
→ deutlich geringeres Risiko für Mikrorisse und Spannungen.
Höhere Detailauflösung
→ feine Schriften, kleine Codes und filigrane Logos bleiben sauber lesbar.
Höherer Kontrast bei transparenter Oberfläche
→ auch auf klarem Glas gut sichtbare Markierungen möglich.
Prozessstabilität bei empfindlichen Bauteilen
→ besonders relevant bei dünnen Gläsern und funktionalen Oberflächen.
Wichtige Prozessparameter beim UV-Lasermarkieren von Glas
Damit hochwertige Ergebnisse entstehen, ist eine präzise Abstimmung mehrerer Parameter notwendig:
Gerade beim Glasmarkieren ist das Zusammenspiel dieser Werte entscheidend, da schon kleine Abweichungen das Markierbild deutlich beeinflussen können.
Ein stabiler Prozess zeichnet sich aus durch:
Oberflächenqualität und Lesbarkeit von Codes
Ein häufiges Einsatzgebiet beim Lasermarkieren von Glas mit UV-Laser ist die direkte Markierung von 2D-Codes. Dabei ist besonders wichtig:
Durch die feine Strukturierung der Oberfläche lassen sich mit UV-Lasern sehr gleichmäßige Codeflächen erzeugen, ohne das Glas mechanisch zu schwächen.
Mechanische Belastbarkeit der Markierung
UV-Laser erzeugen sehr flache Markierungen. Das bedeutet:
Gerade bei dünnen Gläsern, Messgläsern oder optischen Komponenten ist dieser Aspekt ein wesentlicher Vorteil gegenüber konventionellen Gravurverfahren.
Integration in industrielle Produktionslinien
UV-Lasersysteme werden häufig in automatisierte Prozesse integriert, beispielsweise:
Offene UV-Lasersysteme – wie sie im industriellen Umfeld etwa in der JustMark-Serie von JustLaser eingesetzt werden – ermöglichen dabei:
Abgrenzung: Glas gravieren oder Glas markieren?
In der Praxis werden die Begriffe häufig vermischt. Technisch ist jedoch eine klare Unterscheidung sinnvoll:
Lasermarkieren von Glas mit UV-Laser
klassische Lasergravur
Für industrielle Kennzeichnungsaufgaben ist das UV-Markieren in den meisten Fällen die technisch bessere Lösung.
Typische Herausforderungen in der Praxis
Trotz der Vorteile des UV-Lasers gibt es beim Lasermarkieren von Glas einige typische Punkte, die berücksichtigt werden müssen:
Ein stabiler Serienprozess entsteht in der Regel erst nach einer gezielten Applikationsabstimmung.
Ein UV-Laser ist insbesondere dann sinnvoll, wenn folgende Anforderungen vorliegen:
Gerade in der Medizintechnik, Elektronikfertigung und Optik ist das Lasermarkieren von Glas mit UV-Laser heute ein etablierter Industriestandard.
Das Lasermarkieren von Glas mit UV-Laser ermöglicht hochpräzise, materialschonende und dauerhaft lesbare Markierungen auf unterschiedlichsten Glasarten. Durch die kurze Wellenlänge und die photochemische Wechselwirkung entstehen hochwertige Markierergebnisse mit minimaler thermischer Belastung – ideal für anspruchsvolle industrielle Anwendungen.
Ja. Die Markierung entsteht durch eine gezielte Oberflächenstrukturierung und ist nicht abwaschbar oder löslich.
Der Abtrag ist sehr gering und bewegt sich im Mikrometer-Bereich. Für das bloße Auge erscheint die Oberfläche nahezu unverändert.
Ja. Gerade hier spielt der UV-Laser seine Vorteile aus, da auch klares Glas mit gutem Kontrast strukturiert werden kann.
Ja. Bei korrekt ausgelegten Parametern lassen sich stabile Prozesse mit hoher Wiederholgenauigkeit realisieren.
Neben Glas lassen sich unter anderem Kunststoffe, Keramiken, Leiterplattenmaterialien und empfindliche Verbundwerkstoffe sehr präzise markieren.