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26Februar

Gravurtiefe bei Schusswaffen

Neue EU-Vorgaben & internationale Harmonisierung der Kennzeichnung

Die dauerhafte Kennzeichnung von Schusswaffen ist ein zentrales Element der Rückverfolgbarkeit, Produktsicherheit und gesetzlichen Konformen. Für Waffenhersteller, Büchsenmacher sowie Zulieferbetriebe ist es entscheidend, Seriennummern und Herstellerangaben normgerecht und dauerhaft aufzubringen.

 

Mit der Durchführungsrichtlinie (EU) 2024/325 wurden die technischen Anforderungen innerhalb der EU aktualisiert und weitgehend an internationale Standards angepasst.

 

Warum normgerechte Kennzeichnungen unverzichtbar sind

Gesetzeskonforme Markierungen gewährleisten:

 

  • eindeutige Identifikation von Waffen und Baugruppen
  • Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferkette
  • Schutz vor Manipulation und Entfernung
  • Rechtssicherheit bei Behördenprüfungen
  • vereinfachten internationalen Handel

 

Unzureichende oder nicht dauerhafte Kennzeichnungen können zu rechtlichen Problemen, Exporthemmnissen oder Ablehnungen bei Prüfstellen führen.

 

Neue EU-Vorgaben zur Waffenkennzeichnung

Die technischen Spezifikationen wurden durch die Europäische Union im Januar 2024 angepasst, um eine internationale Harmonisierung zu erreichen.

 

Mindesttiefe der Kennzeichnung (Metall)

  • ≥ 0,0762 mm
  • entspricht 0.003 inch
  • gilt für Seriennummern und verpflichtende Markierungen

 

Frühere höhere Praxiswerte wurden durch einen harmonisierten Mindestwert ersetzt.

 

Mindesthöhe der Schriftzeichen

  • ≥ 1,6 mm
  • gewährleistet dauerhafte Lesbarkeit

 

Anforderungen an die Dauerhaftigkeit

Kennzeichnungen müssen:

 

  • dauerhaft lesbar sein
  • sichtbar bleiben
  • ohne Demontage erkennbar sein
  • nicht zerstörungsfrei entfernbar sein

 

Kennzeichnung bei Polymer- oder Kunststoffgehäusen

Bei nichtmetallischen Gehäusen gilt:

 

  • Kennzeichnung auf einer fest eingebetteten Metallplatte
  • Entfernung darf nur durch Zerstörung des Bauteils möglich sein
  • dauerhafte Verbindung mit dem Gehäuse erforderlich

 

Diese Vorgabe stellt sicher, dass auch moderne Polymerrahmen die Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit erfüllen.

 

Umsetzungsfrist & nationaler Stand

Die EU-Mitgliedstaaten mussten die Vorgaben bis 22. Juli 2025 in nationales Recht überführen.

 

Deutschland

  • Umsetzung über Anpassungen der AWaffV
  • neue Mindesttiefe gilt seit Juli 2025

 

Österreich

  • Integration über Anpassungen im Schusskennzeichnungsgesetz
  • EU-Vorgaben wurden national übernommen

 

Internationale Harmonisierung: Blick in die USA

Die neuen EU-Vorgaben entsprechen weitgehend den Anforderungen des Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF).

 

USA – technische Mindestanforderungen

Gravurtiefe

  • ≥ 0.003 inch (≈ 0,076 mm)

 

Zeichenhöhe

  • ≥ 1/16 inch (≈ 1,58 mm)

 

Lesbarkeit

  • dauerhaft sichtbar und ohne Demontage lesbar

 

Vergleich EU & USA

Anforderung

EU (seit 2024/325)

USA

Mindesttiefe

≥ 0,0762 mm

≥ 0,076 mm

Zeichenhöhe

≥ 1,6 mm

≥ 1,58 mm

Dauerhaftigkeit

vorgeschrieben

vorgeschrieben

Polymerrahmen

Metallplatte erforderlich

Dauerhaftigkeit erforderlich

 

Die technischen Spezifikationen sind nun nahezu identisch.

 

Welche Bauteile müssen gekennzeichnet werden?

Typischerweise betrifft die Kennzeichnung:

 

Waffe / Rahmen

  • Seriennummer
  • Herstellername
  • Herstellungsland
  • Modellbezeichnung
  • Kaliber

 

wesentliche Komponenten

  • Lauf
  • Verschluss
  • Systemgehäuse

 

Importkennzeichnungen

  • Importeur
  • Herkunftsland

 

Technische Herausforderungen bei der Gravur

Die normgerechte Kennzeichnung stellt hohe Anforderungen an Fertigungsprozesse.

 

Materialvielfalt

  • gehärtete Stähle
  • Aluminiumlegierungen
  • Titan
  • beschichtete Oberflächen
  • Polymerrahmen

 

Prozessanforderungen

  • reproduzierbare Gravurtiefe
  • minimale thermische Belastung
  • hohe Präzision
  • dauerhafte Lesbarkeit

 

Gravurverfahren im Überblick

 

Lasergravur

 

Vorteile

  • berührungslos und präzise
  • exakt steuerbare Gravurtiefe
  • automatisierbar und reproduzierbar
  • ideal für Serienfertigung

 

Hinweis: Für normgerechte Tiefen sind materialabhängige Parameter und ggf. Mehrfachdurchgänge erforderlich.

 

Nadelprägung (Dot-Peen)

  • mechanische Verformung
  • sehr dauerhaft
  • eingeschränkte Designfreiheit

 

Fräsgravur

  • hohe Dauerhaftigkeit
  • mechanische Belastung möglich
  • längere Bearbeitungszeit

 

Praxisempfehlung: Gravurtiefe über Mindestwert

 

Trotz harmonisierter Mindesttiefe arbeiten viele Hersteller bewusst mit größeren Tiefen:

 

Typischer Praxisbereich

  • 0,10 – 0,20 mm

 

Gründe

✔ Beschichtungen (Eloxal, Cerakote, PVD)
✔ mechanischer Verschleiß
✔ langfristige Lesbarkeit
✔ Sicherheitsreserven

 

Bedeutung für Zulieferer & Komponentenhersteller

 

Nicht nur Waffenhersteller selbst, sondern auch:

  • Komponentenfertiger
  • Systemlieferanten
  • Oberflächenbeschichter
  • Baugruppenhersteller

 

müssen sicherstellen, dass Kennzeichnungen nachgelagerte Prozesse überstehen und dauerhaft lesbar bleiben.

 

Vorteile der neuen EU-Regelung

Die Harmonisierung bringt klare Vorteile:

 

✔ vereinfachter Export in die USA & Kanada
✔ keine Nachgravur für internationale Märkte
✔ höhere Rechtssicherheit
✔ einheitliche technische Spezifikationen
✔ verbesserte Rückverfolgbarkeit

 

Mit der Durchführungsrichtlinie (EU) 2024/325 wurden die technischen Anforderungen an die Kennzeichnung von Schusswaffen modernisiert und international harmonisiert. Die neue Mindesttiefe von 0,0762 mm sowie die definierte Zeichenhöhe von 1,6 mm schaffen eine einheitliche Grundlage für Hersteller, Büchsenmacher und Zulieferbetriebe.

 

Industrietaugliche Kennzeichnungslösungen für höchste Anforderungen

Für Hersteller, Büchsenmacher und Komponentenlieferanten ist neben der Einhaltung gesetzlicher Mindestwerte vor allem Prozesssich erheit, Wiederholgenauigkeit und Dokumentierbarkeit entscheidend. Industrielle Lasermarkiersysteme wie der JustMark Laserbeschrifter wurden gezielt für Anwendungen entwickelt, bei denen dauerhafte, präzise und normkonforme Markierungen auf Metall und technischen Kunststoffen erforderlich sind. Das System ermöglicht schnelle und reproduzierbare Beschriftungen und eignet sich unter anderem für Seriennummern, DataMatrix-Codes und Typenschilder in sicherheitskritischen Branchen.

 

Im industriellen Umfeld zählen vor allem geprüfte Sicherheitssysteme, stabile Bauweise, normkonforme Schutzmechanismen sowie eine langfristig konstante Strahlqualität zu den entscheidenden Faktoren für gleichbleibende Gravurtiefen und Prozessstabilität. Systeme mit integrierter Sicherheitsarchitektur, abgestimmter Software, reproduzierbarer Tiefensteuerung und verlässlichem Service gewährleisten eine dauerhaft kontrollierbare Kennzeichnungsqualität – ein wesentlicher Unterschied zu nicht industrietauglichen Markierlösungen.

 

Gerade bei gesetzlich regulierten Anwendungen, internationalen Exportanforderungen und dokumentationspflichtigen Fertigungsprozessen trägt eine robuste, zertifizierte Lasermarkierlösung dazu bei, Normkonformität sicherzustellen, Ausschuss zu vermeiden und eine langfristig nachvollziehbare Kennzeichnung zu gewährleisten.