UV Laserbeschriftung 2
04Februar

UV-Laserbeschriftung erklärt

Funktionsweise, Vorteile und Anwendungen im industriellen Umfeld

Die UV-Laserbeschriftung zählt heute zu den präzisesten und materialschonendsten Verfahren zur industriellen Kennzeichnung. Besonders in sensiblen Branchen wie Medizintechnik, Elektronik, Mikroelektronik oder Kunststoffverarbeitung ist sie längst ein etablierter Standard.

 

Was ist UV-Laserbeschriftung?

Bei der UV-Laserbeschriftung handelt es sich um ein Laserkennzeichnungsverfahren, bei dem ultraviolettes Laserlicht zur Erzeugung dauerhafter Markierungen auf unterschiedlichsten Materialien eingesetzt wird.

 

Charakteristisch ist die sehr kurze Wellenlänge des UV-Lasers. Während klassische Faserlaser im infraroten Bereich arbeiten und CO-Laser im fernen Infrarot, liegt die Wellenlänge eines UV-Lasers typischerweise bei rund 355 nm.

 

Diese kurze Wellenlänge führt zu:

  • sehr kleiner Fokusgröße
  • extrem feiner Linienauflösung
  • geringer Wärmeeinbringung
  • hoher Materialabsorption bei Kunststoffen, Glas und organischen Materialien

 

Die UV-Laserbeschriftung wird deshalb häufig auch als „kalte Laserbeschriftung“ bezeichnet.

 

Physikalische Grundlagen der UV-Laserbeschriftung

Der wesentliche Unterschied zwischen UV-Lasern und klassischen Infrarot-Lasern liegt in der Art, wie das Material durch die Laserstrahlung beeinflusst wird.

 

Während bei CO- und Faserlasern der Materialabtrag überwiegend thermisch erfolgt, nutzt der UV-Laser in hohem Maß photochemische Effekte.

 

Das bedeutet:

  • Die Photonen besitzen eine deutlich höhere Energie.
  • Molekulare Bindungen im Material können direkt aufgebrochen werden.
  • Das Material wird nicht primär aufgeschmolzen, sondern strukturell verändert oder abgetragen.

 

In der Praxis führt das zu:

  • extrem sauberen Markierkanten
  • praktisch keiner Aufwurfkante
  • minimaler oder keiner Verfärbung durch Hitze
  • deutlich reduzierter Mikrorissbildung

 

Gerade bei empfindlichen Bauteilen ist dieser Effekt entscheidend.

 

Wie funktioniert die UV-Laserbeschriftung im Prozess?

Der grundsätzliche Ablauf einer UV-Laserbeschriftung ist vergleichbar mit anderen galvobasierten Lasermarkiersystemen. Die Besonderheit liegt jedoch in der Strahlquelle und im Wechselwirkungsmechanismus mit dem Werkstoff.

 

Der typische Prozess lässt sich in fünf Schritten beschreiben:

1. Erzeugung des UV-Laserstrahls

Die UV-Strahlung wird meist durch Frequenzvervielfachung eines Festkörperlasers erzeugt. Aus einem infraroten Grundlaser entstehen durch nichtlineare Kristalle die ultraviolette Wellenlänge.

2. Strahlformung und Strahlführung

Über Spiegel, Strahlaufweiter und Kollimatoren wird der Strahl so vorbereitet, dass ein extrem kleiner Fokusdurchmesser möglich ist.

3. Ablenkung über Galvo-Scanner

Schnell bewegte Scannerspiegel lenken den Strahl über das Werkstück. Dadurch entstehen Texte, Codes, Grafiken oder hochauflösende Strukturen.

4. Fokussierung auf die Werkstückoberfläche

Über eine F-Theta-Linse wird der Laserstrahl exakt auf die Oberfläche fokussiert.

5. Photochemische Wechselwirkung mit dem Material

Das Material absorbiert die UV-Strahlung sehr effizient. Die Markierung entsteht überwiegend durch direkte Bindungsauflösung oder sehr feinen Materialabtrag.

 

Warum gilt die UV-Laserbeschriftung als „kaltes“ Verfahren?

Der Begriff „kalte Beschriftung“ ist technisch nicht vollständig korrekt, beschreibt jedoch den praktischen Effekt sehr gut.

 

Im Vergleich zu anderen Lasersystemen:

  • entsteht nur eine sehr kleine Wärmeeinflusszone
  • bleiben angrenzende Strukturen unverändert
  • treten kaum thermische Spannungen auf

 

Besonders wichtig ist das bei:

  • dünnwandigen Bauteilen
  • beschichteten Substraten
  • mehrlagigen Werkstoffen
  • empfindlichen Elektronikkomponenten

 

Gerade Leiterplatten oder Mikrochips würden bei thermischer Markierung häufig beschädigt oder optisch verfälscht.

 

Typische Materialien für die UV-Laserbeschriftung

Die UV-Laserbeschriftung wird bevorzugt dort eingesetzt, wo andere Laserquellen an ihre Grenzen stoßen.

 

Typische Materialien sind:

  • technische Kunststoffe (ABS, PC, PA, PEEK, PMMA u. a.)
  • Leiterplatten und Elektronikbaugruppen
  • Glas und Quarzglas
  • Silikone und Elastomere
  • Keramiken
  • beschichtete Oberflächen

Ein großer Vorteil ist die sehr hohe Kontrastbildung auf vielen Kunststoffen – häufig ohne Additive oder Vorbehandlung.

 

Besonders geeignete Anwendungen

Die industrielle Relevanz der UV-Laserbeschriftung zeigt sich vor allem in folgenden Einsatzfeldern:

 

Medizintechnik

  • UDI-Kennzeichnung
  • Seriennummern auf Kunststoff- und Glasbauteilen
  • Markierung auf sterilen Verpackungskomponenten
  • Bauteilkennzeichnung ohne Materialschädigung

 

In der Medizin ist Hygiene oberstes Gebot. UV-Laser erzeugen glatte Markierungen auf chirurgischen Instrumenten oder Kathetern, die keine Angriffsfläche für Bakterien bieten und sterilisationsfest sind.

 

Elektronik und Mikroelektronik

  • Leiterplattenkennzeichnung
  • Bauteilcodes auf IC-Trägern
  • Mikroschrift und feine Strukturen
  • Leiterbahnnahe Markierungen

 

Ob Leiterplatten (PCBs) oder winzige Mikrochips: Die UV-Beschriftung ermöglicht eine Rückverfolgbarkeit ohne die Gefahr, die empfindliche Elektronik durch Hitze zu beschädigen.

 

Kunststoffverarbeitung

  • dekorative und funktionale Markierungen
  • kontrastreiche Logos
  • hochauflösende Data-Matrix-Codes

 

Optik und Sensorik

  • Markierungen auf Glas und optischen Substraten
  • präzise Skalierungen
  • minimale Beeinflussung optischer Eigenschaften

 

Während herkömmliche Laser Glas oft grob splittern lassen, erlaubt der UV-Laser filigrane Gravuren und Markierungen auf hochwertigem Glas für die Pharma- oder Kosmetikindustrie.

 

Abgrenzung zu Faserlaser und CO-Laser

Die Wahl der Laserquelle entscheidet wesentlich über das Markierergebnis.

Eine vereinfachte Gegenüberstellung:

 

UV-Laser

  • sehr kleine Fokusdurchmesser
  • extrem feine Markierungen
  • geringe Wärmeeinwirkung
  • sehr gut für Kunststoffe, Glas und Elektronik

 

Faserlaser

  • hohe Leistung
  • sehr effizient auf Metallen
  • stärker thermisch geprägt
  • ideal für Tiefengravuren und Anlassmarkierungen

 

CO-Laser

  • große Spotgrößen
  • sehr gut für organische Materialien, Holz, Papier, Leder
  • eingeschränkt bei hochpräzisen Mikrostrukturen

 

Für hochauflösende Kennzeichnung empfindlicher Materialien ist der UV-Laser in vielen Fällen die technisch überlegene Lösung.

 

Welche Markierarten sind mit UV-Laser möglich?

Mit UV-Lasern lassen sich unterschiedliche Markiermechanismen realisieren:

  • Farbumschlag in Kunststoffen
  • Oberflächenstrukturierung
  • Mikroabtrag
  • matte oder glänzende Kontrastflächen

 

Besonders relevant ist dabei die sehr feine Kontrolle der Pulsenergie. Dadurch lassen sich reproduzierbare Ergebnisse auch bei sehr kleinen Strukturen erzielen.

 

Qualitätsmerkmale einer industriellen UV-Laserbeschriftung

In der Praxis entscheiden mehrere technische Faktoren über die tatsächliche Markierqualität:

  • Pulsdauer und Pulsenergie
  • Strahlqualität (M²-Wert)
  • Stabilität der Laserquelle
  • optische Auslegung der Fokussieroptik
  • Wiederholgenauigkeit der Scanner

 

Gerade bei Serienfertigung mit engen Toleranzen ist die langfristige Stabilität des Systems entscheidend für gleichbleibende Markierergebnisse.

 

Typische Herausforderungen in der Anwendung

Trotz der vielen Vorteile bringt die UV-Laserbeschriftung auch besondere Anforderungen mit sich:

  • exakte Fokuslage ist wesentlich kritischer als bei größeren Spotgrößen
  • Verschmutzungen der Optik wirken sich stärker auf die Markierqualität aus
  • Prozessparameter reagieren sensibler auf Materialschwankungen

 

Dafür lassen sich jedoch Prozesse realisieren, die mit anderen Lasertechnologien technisch nicht oder nur mit erheblichen Nachteilen möglich wären.

 

Warum ist UV-Laserbeschriftung besonders relevant für zukünftige Fertigungskonzepte?

Mit zunehmender Miniaturisierung, steigenden Rückverfolgbarkeitsanforderungen und höherer Materialvielfalt wächst der Bedarf an:

  • hochauflösenden Markierungen
  • reproduzierbarer Qualität
  • minimaler thermischer Belastung
  • prozesssicherer Integration in automatisierte Produktionslinien

 

UV-Laser erfüllen diese Anforderungen in besonderem Maß und sind deshalb ein zentraler Baustein moderner Industrie-4.0-Produktionsumgebungen.

 

Zusammenfassung

Die UV-Laserbeschriftung ist ein hochpräzises, photochemisch geprägtes Markierverfahren, das sich vor allem für empfindliche Materialien und kleinste Strukturen eignet.

 

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick:

  • extrem feine Auflösung
  • sehr geringe Wärmeeinwirkung
  • hohe Kontraste auf vielen Kunststoffen
  • optimale Eignung für Elektronik, Medizintechnik und Glas
  • sehr gute Reproduzierbarkeit im Serienprozess

 

Damit stellt die UV-Laserbeschriftung eine technisch entscheidende Ergänzung zu klassischen Faser- und CO-Lasersystemen dar insbesondere überall dort, wo Präzision, Materialschonung und Prozesssicherheit im Vordergrund stehen.